Bericht: Kulturhistorische Wanderung am Finkenherd

Bericht: Kulturhistorische Wanderung am Finkenherd

Am Freitag, 24. April 2015, veranstaltete das Ortskuratorium Celle bei bestem Wetter eine Wanderung am bedrohten Bodendenkmal Finkenherd. Hierbei handelt es sich um ein Vogelfanggehege aus der Barockzeit, in einem Waldstück zwischen Lachtehausen und Altencelle. „Celles Herzog Georg Wilhelm ließ ab 1670 von seinem ‚Federschütz‘ im Finkenherd, jedes Jahr zur Zeit des Vogelzugs, tausende Vögel fangen. Als Delikatessen wurden sie seinerzeit der Schlossküche zugeführt“, erläuterte der Celler Kulturlandschaftsforscher Florian Friedrich vor Ort die historischen Hintergründe des herrschaftlichen Vogelfangs der Celler Residenzzeit.

Audiomitschnitt zur Führung von Florian Friedrich zum DOWNLOAD als MP3 Datei.

Anschließend machte er die rund 60 Teilnehmer auf die denkmalgeschützte Umwallung der alten Anlage aufmerksam. Außer dem deutlich sichtbaren Erdwall mit trockenem Graben davor, der dem herzoglichen Jagdbeamten die nötige Ruhe bei der Arbeit gewährleisten sollte, ist oberirdisch nichts mehr zu entdecken. 

Vögel werden in dem rund 500 mal 800 Meter großen Areal heute selbstverständlich nicht mehr gefangen. Nachfolger der fürstlichen Vorbesitzer sind heute die Niedersächsischen Landesforsten und die betreiben hier Forstwirtschaft. Der historischen Umwallung hat dies bislang wenig geschadet. Aktuell wird der Finkenherd teilweise aber durch die geplante Umgehungsstraße überplant.

Der Rundgang führte weiter, teilweise auf einem schmalen Trampelpfad durch den Wald, zu einer umwallten Immenstelle. Hier standen einst Bienenkörbe und der Wall markierte den Arbeitsbereich des Imkers. Zwar wird auch diese Stelle seit der Gemeinheitsteilung im 19. Jahrhundert nicht mehr genutzt, die alte Umwallung mit dem vorgelagerten Graben ist aber noch gut ausgeprägt und deutlich zu erkennen.

 

„Viele Relikte solcher Bienengehege gibt es noch im Landkreis Celle. Sie sind eine regionale Besonderheit und lassen sich auf das ‚Wietzenmühlen-Recht‘ des 16. Jahrhunderts zurückführen. Die ‚Immenwälle‘ sind stumme und meist unbekannte Zeugen für die ehemals gewaltige Bedeutung der Celler Heide-Imkerei“, berichtete Florian Friedrich vom Ortskuratorium Celle.

Wieder auf festen Wegen angekommen, ging die Gruppe entlang der Grenze des ehemals königlichen Forst Sprache zurück zum Ausgangsort. Unterwegs gab es abschließend am alten Grenzgraben noch einige Grenzsteine aus rotem Sandstein zu sehen. Sie markieren hier seit Anfang des 19. Jahrhunderts die Forstgrenze. „Die Außenseite zeigt jeweils die Wolfangel, als forstliches Hoheitszeichen. Jeder Hirte dürfte damals gewusst haben, dass er sein Vieh auf der anderen Seite nicht weiden durfte“, schließt Friedrich seine Ausführungen.

Die Teilnehmer bedankten sich herzlich für den informativen Rundgang und nahmen viele Eindrücke von den größtenteils vergessenen Spuren der historischen Kulturlandschaft mit.

Fotos, Audio: Andreas Brüggemann
Text: Florian Friedrich

1 Kommentar

  1. Ab Minute 55 knistert leider ein Handy in der Audioaufnahme, bitte nicht erschrecken beim Nachhören!

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